Durch die Wüste – per Kamel in die Sahara

Durch die Wüste – per Kamel in die Sahara

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Eine Woche zu Fuß und Kamel durch die Sahara, Schlafen unter dem Sternenhimmel, viel Zeit für Gedanken, Gespräche, Gefühle. Ein bisschen Abenteuer erwartete uns, und ganz viel Erholung. Das Abschalten vom Alltag gelingt in der Wüste äußerst schnell.

20 Kamele, sieben Beduinen und 15 Teilnehmer, das ist unsere kleine Karawane. Wir laufen durch die Wüste, tagaus, tagein, in größeren oder kleineren Gruppen. Die Sonne brennt, trotz November. Wenn wir nicht reden, ist es komplett still, nur der Wind rauscht und die Fliegen brummen um unsere Köpfe. Die Kamele tragen unser Gepäck, wir haben nur Wasser und vielleicht eine Kamera bei uns.

Jeden Tag werden die Gruppen mutiger, entfernen sich weiter voneinander. An einem Tag stehe ich auf einem Plateau, bin der letzte der Karawane, mache kurz Pause. Die Gruppe verlässt das Plateau, ich stehe alleine oben. Keine Spur von Zivilisation, kein Mensch, kein Laut. Runterkommen. Weite. Befreiend. Ein Moment, den ich ohne Fotografieren genieße … Dann aber schnell zurück zur Gruppe …

Reiten

Die Wüstenlandschaft ist vielseitiger als ich dachte: Sie besteht nicht nur aus endlosen Sanddünen, sondern wir passieren viele flache, steinige Abschnitte mit Sträuchern.

Wer müde ist, steigt auf ein Kamel – oder wer einen besseren Blick auf die Weite haben möchte. Wenn die Tiere aufstehen, muss man sich tatsächlich so gewissenhaft festhalten wie in den Filmen. Die Kamele fressen im Laufen von den Sträuchern. Bei zähen Sträuchern müssen sie ihren Kopf dazu weit nach hinten drehen, ohne Rücksicht auf den Reiter.

Das Reiten selbst ist einfach, da die Beduinen das Kamel führen. Oder die Kamele den Beduinen? Auf sandigen Dünen kommt man besser voran, wenn man den Sand gut liest, also die härteren Stellen identifiziert. Kamele können das gut.

Mittags halten wir für eine längere Pause. Frisch gebackenes Brot gibt es, dann Salat oder Nudeln. Und dann dösen wir in den heißesten Stunden.

Der Tafelberg

Am zweiten Tag haben wir den Tembain besucht, einen Tafelberg, beziehungsweise zwei nebeneinander. Auffällig in der platten Landschaft, und schnell zu beklettern, in wenigen Minuten kommt man problemlos hoch.

Oben gibts großartige Aussichten.

Am Lagerfeuer

Rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang schlagen wir das Lager auf. Kamele abladen, Holz sammeln, Abendessen vorbereiten. Oder einfach ein paar Minuten sitzen und die Weite wirken lassen.

Abends sitzen alle ums Lagerfeuer, rücken immer näher heran, weil es kalt und feucht wird. Zum Übernachten bauen die Beduinen den Touristen ein großes Zelt auf, sie selbst schlafen unter freiem Himmel.

Schon am ersten Tag meiden einige Touristen ebenfalls das Zelt, ich selbst ziehe auch nach einer Stunde aus, weil ein Nachbar schnarcht. Jeden Tag trauen sich mehr aus dem Zelt, in den letzten Nächten wird es gar nicht mehr aufgebaut.

Nebel in der Wüste

Und dann, eines Morgens: Nebel! Von wegen kein Wasser, alles war noch nasser als sonst und wollte nicht trocknen. Wir sind dann leicht frierend gestartet und durch die dicke Suppe gelaufen. Faszinierend, wie schnell nach ein paar Schritten in den Dunst man alleine war. Ein wenig gespenstisch in Kombination mit der Stille der Wüste.

Wir hatten Glück, sagten die Beduinen, es sei nur an zwei, drei Tagen pro Jahr nebelig in der Wüste. Toll.

Technisches

Die Tour fand im November 2009 statt, wir zogen durch den Jebil-Nationalpark in der tunesischen Sahara, Teil des Grand Erg Oriental, des größten Sandmeers der Sahara. Die erste und letzte Übernachtung fanden auf Djerba statt, wo sich alle vom Flughafen getroffen haben. Von dort brachten uns die Organisatoren per Jeep in einer mehrstündigen Tour über Douz in die Wüste. Dabei haben wir ein paar Sehenswürdigkeiten besichtigt, ebenso auf der Rückfahrt – ja, die Star-Wars-Filme wurden hier in der Nähe gedreht, wir waren aber nicht dort. Organisiert wurde das von Hauser Reisen, sie bieten die Tour weiterhin an.

Am letzten Tag in der Wüste sehen wir von einer Düne neben unserem Camp schon die Oase Ksar Ghilane. Die Beduinen ziehen am Nachmittag auf dem Gipfel einer Düne ihre Handys heraus und schalten sie an – sie wissen genau, ab wo sie wieder Empfang haben. Wir genießen den Abend in der Wüste, die Ruhe. Die Oase kommt uns am nächsten Tag unwirklich laut vor.

Die Ruhe der Wüste bleibt mir in Erinnerung. Ich komme wieder.

2 Kommentare
  • Vor einer Woche habe ich beschlossen, dass ich genau so eine Tour auch gerne machen würde. Dann habe ich mal im Internet ein bisschen geschaut und deinen Artikel und großartigen Bilder hier gefunden. Seither komme ich fast täglich her, um sie mir noch mal anzuschauen und meine Vorfreude ist noch größer!

    • Hi Ilona,

      das freut mich sehr, dass Dir der Artikel so gut gefällt! Ich wünsche Dir viel Spaß und noch mehr Erholung und Ruhe auf Deiner Wüstentour. Behalte Dir die Vorfreude ;-)

      Viele Grüße, Jörg

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